Warum lohnt sich die private Krankenversicherung oftmals nur für Beamte?

„Beiträge die krank machen“ , so titelte beispielsweise Der Tagesspiegel (http://goo.gl/BYnKeM) zu Beginn diesen Jahres, im Hinblick auf das Thema der Privaten Krankenversicherungen.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb „Privat wird´s teuer“ (http://goo.gl/8Fucqs) und Die Welt stellt aktuell die These auf: „Private Krankenversicherung zahlt sich im Alter oft nicht mehr aus“ (http://goo.gl/7Fh0ne).

Dies sind nur drei Beispiele von unzähligen Artikeln, die zum Thema private Krankenversicherung (PKV) im Laufe der letzten Jahre in der Presse erschienen sind.

Solche Überschriften lassen viele Betroffene aufhorchen und schüren Ängste vor der PKV. Selbst bei Beamten führt dies häufig zu einer Verunsicherung. Das spüre ich natürlich auch in Gesprächen mit meinen Interessenten und Kunden.

Deshalb möchte ich heute die Frage aufgreifen:

Was ist dran an diesen Warnungen und für wen lohnt sich eine private Krankenversicherung wirklich?

Auch wenn manche Headline sehr plakativ erscheinen mag, so steht doch außer Frage, dass eine PKV nicht für jeden die richtige Lösung ist. Diese These greifen die meisten der Presseartikel auch auf – manche vordergründiger, andere fundierter.

Eine pauschale Schelte und Warnung vor der privaten Krankenversicherung ist somit falsch und wird auch nicht betrieben. Vielmehr gilt es deutlich zu differenzieren, für wen sich eine PKV eignet und wer besser in der Gesetzlichen Krankenkasse verbleiben sollte.

Wer kann sich in Deutschland denn überhaupt privat Krankenversichern?

Durch die stetig steigende Versicherungspflichtgrenze (aktuell bei brutto 54.800 Euro in 2015 / 56.250 Euro im Jahr 2016) können nur Angestellte mit einem entsprechend hohen Gehalt in die PKV wechseln. Völlig unabhängig vom Gehalt haben zudem Selbständige, Freiberufler, Beamte und Studenten die Möglichkeit, eine private Krankenversicherung zu wählen.

Dabei gibt es eine Berufsgruppe, für die sich aufgrund der rechtlichen Gegebenheiten eine private Krankenversicherung in einem Großteil der Fälle lohnt: Die Beamten.

Bei Selbständigen, Freiberuflern und Angestellten gilt es, die individuelle Situation sehr genau zu beurteilen. Hier kann oftmals der Verbleib in der gesetzlichen Krankenkasse sinnvoller sein.

Genau diese These finden sich gleichwohl in den zahlreichen Presseartikeln wieder. So schreibt zum Beispiel der bereits oben zitierte Tagesspiegel in einem anderen Beitrag:

„Private Krankenversicherung lohnt sich nur für Beamte“ (http://goo.gl/3VXEbJ).

Wieso ist die private Krankenversicherung insbesondere für Beamte so interessant?

Beamte genießen sozialversicherungsrechtlich gesehen einen Sonderstatus und fallen unter die Versicherungsfreiheit (§ 6 I Nr. 2 SGB V). Daraus ergibt sich – unabhängig vom Einkommen – die freie Wahlmöglichkeit zwischen der gesetzlichen Krankenkasse und der privaten Krankenversicherung. Entscheidet sich ein Beamter für den Verbleib in der GKV, handelt es sich damit stets um eine freiwillige Mitgliedschaft.

Im Paragraph 257 SGB V können Sie nachlesen, unter welchen Voraussetzungen der Arbeitgeber – im Bezug auf eine freiwilligen Mitgliedschaft in der Gesetzlichen Krankenkasse – einen 50-prozentigen Anteil zu den Krankenkassenbeiträgen leisten muss (z.B. beim Arbeitnehmer). Da ein Beamter die dort aufgeführten Voraussetzungen nicht erfüllt, gilt es für diesen, den vollen GKV-Mitgliedsbeitrag selbst zu entrichten. Von dieser Regelung sind Beamte auf Widerruf (Beamtenanwärter) ebenso betroffen, wie Beamte auf Probe oder Beamte auf Lebenszeit.

Der Beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse beträgt 14,0 Prozent von den Einnahmen (dazu zählen die Besoldung, Kinderzuschläge, Mieteinnahmen etc.). Die 0,6 Prozent für das Krankengeld brauchen Beamte nicht leisten, da in diesem Bereich keine Versorgungslücke besteht (Beamte erhalten bis zur Dienstunfähigkeit die volle Besoldung).

Hinzu kommt allerdings der Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen, über den die Finanzierungslücke gegenüber dem nicht ausreichenden allgemeinen Beitragssatz geschlossen wird (https://goo.gl/7xF2bp).

Für die Pflegeversicherung beträgt der Beitragssatz in der GKV für Beihilfeberechtigte 1,175 Prozent. Kinderlose Beamte zahlen zusätzlich 0,25 Prozent ab Vollendung des 23. Lebensjahres, es sei denn, das Geburtsjahr liegt vor dem Jahr 1940. Die Details finden Sie auf der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit: http://goo.gl/x5Vxxh.

Beispielrechnungen für Beamte in der gesetzlichen Krankenversicherung

Beispiel für eine kinderlose 22-jährige Beamtenanwärterin

Besoldung einer 22-jährigen kinderlosen Beamtenanwärterin:
1.180 Euro monatlich x 14,0% GKV + 1,175% Pflegeversicherung + Zusatzbeitrag 0,9% = 189,69 Euro.

Beispiel für eine kinderlose 28-jährige Lehrerin
Besoldung nach A13 3.905,97 € monatlich x 14% GKV + 1,425% Pflegeversicherung + 0,9% Zusatzbeitrag = 637,65 Euro.

Im Rahmen der Besoldung wird für verheiratete Beamte und Beamte mit Kindern zusätzlich ein Familienzuschlag gewährt. Auch dieser wird zur Berechnung der Krankenkassenbeiträge hinzugezogen.

Beispiel für einen 43-jährigen verheirateten Professor mit zwei Kindern (Bundesland Bayern)
Besoldung nach W2 5.502 Euro monatlich + 342 Euro Familienzuschlag = 5844 €.

Da die Einnahmen des Beamten oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) liegen, wird diese zur Berechnung des Beitrages in der GKV herangezogen.

4.125,00 € monatlich (BBG 2015) x 14% GKV x 1,175% Pflegeversicherung + 0,9% Zusatzbeitrag GKV = 663,10 Euro
4.237,50 € monatlich (BBG 2016) x 14% GKV x 1,175% Pflegeversicherung + 0,9% Zusatzbeitrag GKV = 681,18 Euro

Für die nicht sozialversicherungspflichtige Ehefrau und die Kinder des Hochschullehrers werden in der GKV hingegen keine zusätzlichen Beiträge erhoben, da diese kostenfrei in der Familienversicherung mitversichert sind.

Im Jahr 2005 lag die Beitragsbemessungsgrenze beispielsweise noch bei 3.525,00 EUR. Seither ist diese auf inzwischen 4125,00 Euro gestiegen. Mit jeder Steigerung der BBG zieht natürlich auch der für den Beamten zu zahlende Beitrag zur Gesetzlichen Krankenkasse an. Bis auf zwei Ausnahmen kam es in den letzten 10 Jahren zu einer jährlichen Steigerung der Beitragsbemessungsgrenze – und damit auch der Krankenversicherungsbeiträge in der GKV – für unseren im Beispiel genannten verbeamteten Professor.

Diesen Beispielen können Sie entnehmen, dass für Beamte der Verbleib in der gesetzlichen Krankenkasse mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden ist.

Beihilfe macht die PKV für Beamte attraktiv

Aus den Nachteilen der GKV lässt sich der enorme Vorteil einer Privaten Krankenversicherung ableiten. Denn über diese muss ein Beamter nur den verbleibenden Kostenanteil gegenüber der Beihilfe abdecken.

Die Beihilfe stellt eine finanzielle Unterstützung des Dienstherrn für Beamte dar und übernimmt anteilig die Kosten, die durch Krankheit, Geburt, Pflegebedürftigkeit oder im Rahmen eines Todesfalles entstehen. In den Beihilfeverordnungen des Bundes und der Bundesländer sind die Details zur Gewährung auf Beihilfe festgehalten. Eine bundesweit einheitliche Regelung gibt es allerdings nicht.

Die Höhe des Beihilfesatzes liegt zwischen 50-80 Prozent. So erhalten ledige Beamte ohne Kinder beispielsweise grundsätzlich 50 Prozent Beihilfe. In diesem Punkt gibt es in den unterschiedlichen Beihilfeverordnungen der Bundesländer keine Differenzen. Kommen jedoch Kinder und der Ehepartner hinzu, steigert sich der Beihilfeanspruch in zahlreichen Bundesländern bzw. dem Bund.

Mit Ausnahme der Bundesländer Bremen, Hessen und Baden-Württemberg (bei einer Verbeamtung nach dem 31.12.2012) haben Beamte ab dem zweiten Kind einen Beihilfeanspruch von 70 Prozent. In Bremen und Hessen erhöht sich der 50-prozentige Beihilfesatz mit jedem hinzukommenden Kind um 5 Prozent – bis maximal 70 Prozent. Für Beamte, die ihre Laufbahn in Baden-Württemberg nach dem 01.01.2013 begonnen haben, gilt – unabhängig von der Anzahl der Kinder – grundsätzlich ein Beihilfeanspruch von 50 Prozent.

Beispielrechnungen für Beamte in der privaten Krankenversicherung

Beispiel für die kinderlose 22-jährige Beamtenanwärterin
Die Beamtin hat einen Beihilfeanspruch von 50 Prozent. Da sie Beamtin auf Widerruf ist, bieten ihr die Privaten Krankenversicherungen – für die Absicherung der verbleibenden 50 Prozent – vergünstigte Konditionen für Beamtenanwärter an.

Selbst wenn die Anwärterin zusätzliche Bausteine in ihre Krankenversicherung aufnimmt – wie ein Zweitbettzimmer mit Chefarzt, den Beihilfeergänzungstarif und ein Krankenhaustagegeld – liegt der Monatsbeitrag bei einem guten privaten Versicherungsschutz bei rund 60-90 Euro im Monat.

Zur Erinnerung: In der gesetzlichen Krankenkasse würde der Monatsbeitrag bei 189,69 Euro liegen.

Beispiel für die 28-jährige kinderlose Lehrerin
Für die Beamtin auf Probe, mit einem Beihilfesatz von ebenfalls 50 Prozent, beläuft sich der Beitrag in die Private Krankenversicherung auf rund 200-275 Euro monatlich. Ebenfalls enthalten sind die Wahlleistungen im stationären Bereich der Beihilfeergänzungstarif und ein Krankenhaustagegeld.

Zur Erinnerung: In der GKV zahlt die Lehrerin 637,65 Euro.

Beispiel für den 43-jährigen verheirateten Professor mit zwei Kindern (Bundesland Bayern)

Der Hochschullehrer aus Bayern muss nicht nur sich selbst in der Privaten Krankenkasse absichern, sondern auch seine Ehefrau (Jahrgang 1975) und die beiden Kinder (3 und 7 Jahre alt). Aufgrund der zwei Kinder muss er nur 30 Prozent privat versichern (70-prozentiger Beihilfeanspruch).

Da seine Ehefrau keiner sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgeht, besteht für diese in Bayern ein Anspruch auf Beihilfe in Höhe von 70 Prozent. Die Kinder erhalten sogar eine 80-prozentige Unterstützung durch die Beihilfe.

Der Beitrag für die 30-prozentige Restkostenabsicherung in der PKV liegt für den Professor bei 175-230 Euro monatlich. Die Ehefrau zahlt zwischen 165-220 Euro im Monat und je Kind erheben die Krankenversicherungen einen Monatsbeitrag von 30-45 Euro.

Addiert liegen die Beiträge – je nach Wahl der Privaten Krankenversicherung – somit für die gesamte Familie bei 400-540 Euro im Monat. Auch hier wurden in allen Berechnungen das Zweibettzimmer mit Chefarzt, der Beihilfeergänzungstarif und ein Krankenhaustagegeld einbezogen.

Zur Erinnerung: Der Beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse würde für den Professor bei 663,10 Euro (2015) liegen.

In allen drei Beispielen habe ich in die Berechnungen der privaten Krankenversicherungen die Wahlleistungen im stationären Bereich (Zweibettzimmer mit Chefarzt) mit einbezogen.

In der gesetzlichen Krankenkasse beschränkt sich dieser Bereich natürlich ausschließlich auf die Regelleistungen (Mehrbettzimmer mit Belegarzt). Um diese Leistung als GKV-Versicherter zu erhalten, müsste eine private Zusatzversicherung abgeschlossen werden, die allerdings wieder zu einer entsprechenden Mehrbelastung führt.

Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenkasse spielt das Einkommen bei der Ermittlung der Monatsbeiträge zur privaten Krankenversicherung keine Rolle. Die entscheidenden Faktoren sind hier vielmehr das Einstiegsalter und der Gesundheitszustand. Sollten also „Vorerkrankungen“ vorhanden sein, können die genannten Beiträge bei der PKV durch Risikozuschläge noch steigen. Deshalb ist unter dem Strich immer die individuelle Bewertung entscheidend.

Warum lohnt sich die private Krankenversicherung oftmals nur für Beamte?
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