Stiftung Warentest zur privaten Krankenversicherungen für Beamte

Heute nehme ich den letzten Test der privaten Krankenversicherung für Beamte von Finanztest (Stiftung Warentest) für Sie unter die Lupe. Dabei möchte ich nicht nur mein Kritik als Experte für Beamte einfließen lassen, sondern auch die geäußerten Kritikpunkte von weiteren PKV-Spezialisten und Maklerkollegen, sodass Sie sich umfassend gut informiert fühlen und sich Ihr eigenes Bild machen können.

Auf der Suche nach der passenden privaten Krankenversicherung für Ihre Bedürfnisse als Beamter oder mit Beihilfeberechtigung, rate ich Ihnen davon ab, sich rein auf Testergebnisse zu verlassen. Dies betrifft auch die Resultate des Tests der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2014. Dieser Versicherungstest geht von den Voraussetzungen eines Bundesbeamten aus, die nur für die Minderheit der Staatsdiener uneingeschränkt gelten. Darüber hinaus kritisiere ich die formulierten Mindestkriterien für eine PKV und das entscheidend von der Beitragshöhe abhängige Ergebnis.

Grundsätzliche Kritik an den Mindestkriterien der Stiftung Warentest

Die Mindestkriterien der Stiftung Warentest für die Teilnahme am Test der privaten Krankenversicherungen für Beamte im Mai 2014 geraten insbesondere deshalb in die Kritik, weil die Limitierungen dieser Kriterien oft willkürlich erscheinen. Beispielsweise muss eine PKV Ihnen bei einer stationären Psychotherapie lediglich für mindestens 30 Behandlungstage pro Jahr die Kosten erstatten, um die Bedingungen von Stiftung Warentest zu erfüllen. Diese fragwürdige Einschränkung ist jedoch in der Beihilfeverordnung für Staatsdiener des Bundes und sogar bei den gesetzlichen Krankenkassen gar nicht vorgesehen.

Deshalb zeige ich wenig Verständnis dafür, dass die Stiftung Warentest private Krankenversicherungen mit derartigen Limitierungen gut bewertet, obwohl im Testbericht von Qualitätsstandards oberhalb der GKV die Rede ist. Denn im Ernstfall ist eine derartige Einschränkung mit einem hohen Kostenrisiko für Mitglieder einer PKV für Beamte verbunden. Bei einer ambulanten Psychotherapie schließen die Mindestkriterien ebenfalls keine Kostenfallen aus. Eine Erstattung von 70 Prozent der Kosten für 50 Sitzungen innerhalb eines Jahres genügte für die privaten Krankenversicherungen bereits, um getestet zu werden.

Mögliche Kostenfallen trotz erfüllter Kriterien

Bei einem Krankentransport reichte es der Stiftung Warentest bei der Auswahl der Testkandidaten bereits, wenn den Beamten durch die PKV eine Fahrt ins nächstgelegene Krankenhaus in einem Umkreis von 100 Kilometern ersetzt wird. Insofern Sie auf Spezialisten in einer weiter entfernten Klinik angewiesen sind, müssen Sie dann eventuell in die eigene Tasche greifen.

Notwendige Heilmittel muss eine PKV für Beamte wiederum nur zu einem Anteil in Höhe von 75 Prozent erstatten, um die Kriterien der Stiftung Warentest zu erfüllen. Insofern Sie als Mitglied einer entsprechenden privaten Krankenversicherung beispielsweise unter einer chronischen Erkrankung leiden und wöchentlich auf Logopädie oder eine physikalische Therapie angewiesen sind, wirken sich aber auch die verbleibenden 25 Prozent auf ihre wirtschaftliche Situation verheerend aus.

Bei der Bezahlung von Hilfsmitteln sehen die Anforderungen zum Test der Verbraucherorganisation denselben Anteil vor. Darüber hinaus muss eine PKV für die Erfüllung der Bedingung lediglich einfache Ausführungen erstatten. Daher besteht bei den von der Stiftung Warentest zugelassenen privaten Krankenversicherungen für Beamte unter anderem die Gefahr, auf hohen Kosten für z.B. einen guten Krankenfahrtstuhl sitzen zu bleiben.

Außerdem wird die Verbraucherorganisation dafür kritisiert, dass bei der Bewertung von Beamtentarifen sogar ein geschlossener Hilfsmittelkatalog für die Zulassung genügt. Wenn Sie als Beamter unter einer Behinderung leiden und das benötigte Hilfsmittel nicht im entsprechenden Katalog aufgeführt ist, erleben Sie möglicherweise eine böse Überraschung.

Fragwürdige Mindestkriterien und geringe Beitragsunterschiede als Entscheidungskriterien

Das Endergebnis der Stiftung Warentest hängt vor allem von der Erfüllung der kritisierten Mindestkriterien und den geringen Unterschieden der Beiträge, die Sie als durchschnittlicher Beamter an eine private Krankenversicherung laut den entsprechenden Schätzungen überweisen müssten, ab. Die Erfüllung der Kriterien bescherte einer PKV im Leistungsbereich bereits 88 Prozent der zu vergebenden Punkte, während Zusatzleistungen nur mit dem restlichen Anteil belohnt wurden. Zahlreiche Alleinstellungsmerkmale der privaten Krankenversicherungen für Beamte und Möglichkeiten zur Anpassung an verschiedene Beihilfeverordnungen berücksichtigte der Versicherungstest kaum oder gar nicht.

Beim Betrachten des Testergebnisses der Stiftung Warentest finden Sie zudem lediglich auf dem fünften Platz die erste PKV für Beamte, die für ihre Leistungen von der Verbraucherorganisation die Bestnote A erhielt. Minimale Unterschiede der geschätzten Beiträge waren statt der Leistungsnote entscheidend, als von der Verbraucherorganisation der beste Tarif gekrönt wurde.

Geringe Aussagekraft für Landesbeamte

Ein großer Teil der Kritik zum Test der privaten Krankenversicherungen für Beamte durch die Stiftung Warentest aus dem Jahr 2014 hängt damit zusammen, dass ausschließlich von den Voraussetzungen eines Bundesbeamten ausgegangen wird. Dementsprechend hat die Verbraucherorganisation auch nur die Beihilfeverordnung, die für Beamtenanwärter und Festverbeamtete im Dienst des Bundes relevant ist, berücksichtigt. Weil zum Zeitpunkt der Durchführung des Tests weniger als 20 Prozent der verbeamteten Staatsdiener in Deutschland Bundesbeamte waren, wird die allgemeine Relevanz der Einstufung der Privatkassen von Experten grundsätzlich hinterfragt.

Deshalb ist insbesondere auch den Landesbeamten zu raten, sich bei der Suche nach einer PKV nicht ohne Einschränkung auf die Testergebnisse der Stiftung Warentest zu verlassen. In Baden-Württemberg müssen Sie beispielsweise als Beamter oder Beamtenanwärter im Landesdienst bei einer Verbeamtung nach 2012 ebenso wie Ihr Ehepartner sogar im Ruhestand über eine private Krankenversicherung 50 Prozent des Kostenrisikos abdecken, während pensionierte Bundesbeamte lediglich eine Restkostenversicherung mit einem Anteil von 30 Prozent benötigen. Eine Bewertung von PKV-Tarifen auf der Grundlage einer lebenslangen Beitragsberechnung für Staatsdiener des Bundes ist für baden-württembergische Landesbeamte deshalb kaum hilfreich.

Testsieger ohne Tarifmodelle für alle Bundesländer

Außerdem sind die Ergebnisse der Stiftung Warentest aus der Sicht von Beamten im Dienst der Bundesländer Hessen und Bremen besonders irreführend. Denn dort erfolgt eine familienbezogene Berechnung der Beihilfesätze. Ausgerechnet der Testsieger, dessen Testgebiet laut der Stiftung Warentest angeblich nicht begrenzt ist, bot 2014 keine beihilfekonforme private Krankenversicherung für Landesbeamte aus Bremen und Hessen an. Deshalb vertreten mehrere Makler die Meinung, dass der Test nicht deutschlandweit repräsentativ ist.

Darüber hinaus hat die Stiftung Warentest keine Rücksicht darauf genommen, dass sich der Beihilfesatz der Bundesbeamten nicht auf alle Leistungen einer privaten Krankenversicherung anwenden lässt. Wenn Sie als Beamter im Dienst des Bundes Leistungslücken der Beihilfe schließen wollen, genügt Ihnen in den entsprechenden Bereichen die Restkostenversicherung der PKV, von der die Verbraucherorganisation ausgeht, nicht.

Die Beihilfeverordnungen der Länder unterscheiden sich wiederum nicht nur durch die Festlegung der Beihilfesätze, sondern ebenso beim Umfang der teilversicherten Leistungen, die von der Stiftung Warentest beim Test der privaten Krankenversicherungen für Festverbeamtete nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Ein Zweibettzimmer mit Chefarzt muss zum Beispiel in mehreren Ländern von Beamten vollständig über die PKV abgesichert werden. Ohne die Beachtung der unterschiedlichen Beihilfeansprüche in den Landesverordnungen sind die Testergebnisse der Stiftung Warentest für Lehrer und sonstige Festverbeamtete im Landesdienst beim Abschluss einer privaten Krankenversicherung keine optimale Entscheidungshilfe.

Im Rahmen des Tests hat Stiftung Warentest aus meiner Sicht nicht überprüft, ob eine PKV deutschlandweit geeignete Tarifmodelle anbietet und Sie als Beamter auf die Vorteile der entsprechenden Versicherung wirklich unabhängig von Ihrem Standort vertrauen dürfen. Somit steht die Frage im Raum, wieviel Aussagekraft die Ergebnisse des Tests für die Mehrheit der verbeamteten Staatsdiener in Deutschland hat.

Ich empfehle Ihnen immer sich ein eigenes Bild von den Stärken und Schwächen des Bedingungswerkes der Krankenversicherungen zu machen. Zu individuell sind Ihre Bedürfnisse, um sich auf ein Testergebnis verlassen zu können. Im Form eines unverbindlichen Vergleiches der PKV für Beamte können Sie sich selbst über die verschiedenen Tarifangebote informieren.

Stiftung Warentest zur privaten Krankenversicherungen für Beamte
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