Kindernachversicherung in der privaten Krankenversicherung

Mit der Geburt eines Kindes stellt sich nachvollziehbar die Frage, wo dies in Zukunft krankenversichert sein soll.

Als privat versicherter Beamter besteht für Sie die Möglichkeit einer Kindernachversicherung. Daraus ergibt sich für Sie das Recht, dass Ihre Krankenversicherung Ihr neugeborenes Kind ohne Gesundheitsprüfung aufnehmen muss, sofern Ihr eigener PKV-Vertrag bereits seit 3 Monaten besteht.

Den Antrag auf Kindernachversicherung müssen Sie innerhalb von 2 Monaten nach der Geburt des Kindes stellen (§ 198 Versicherungsvertragsgesetz). Die bereits angefallenen Kosten werden rückwirkend ab dem Zeitpunkt der Geburt übernommen. Es ergeben sich also keinerlei Wartezeiten.

Die Vertragsinhalte müssen denen eines Elternteiles in der privaten Krankenversicherung entsprechen. D.h. im Rahmen des gesetzlichen Kontrahierungszwangs darf der Versicherungsschutz nicht höher bzw. umfassender sein, als der des versicherten Elternteils.

Wünschen Sie einen höherwertigen Versicherungsschutz für Ihr Kind – oder möchten Sie es bei einer anderen privaten Krankenversicherungsgesellschaft versichern – müssen Sie einen entsprechenden Krankenversicherungsantrag stellen und alle Gesundheitsfragen im Rahmen der vorvertraglichen Anzeigepflicht beantworten.
Allerdings werden Neugeborene bei den meisten Krankenversicherungsgesellschaften alleine gar nicht angenommen, sondern nur unter der Bedingung, dass ein Elternteil dort bereits versichert ist oder mitversichert wird.

Bei einer höherwertigen Absicherung kann die Gesellschaft im Zuge der Gesundheitsprüfung aber nur die zusätzlichen Tarifbausteine ablehnen bzw. Risikozuschläge auf diese verlangen. Alle Bausteine, die dem Versicherungsschutz des Elternteils entsprechen, müssen durch die Kindernachversicherung ohne jede Erschwernis angenommen werden. Soll das Kind höherwertiger oder bei einer anderen Gesellschaft als der Elternteil versichert werden, entfallen diese gesetzlich geregelten Aufnahmepflichten. Eine Gesundheitsprüfung und Aufschläge oder gar Ausschlüsse wegen Vorerkrankungen gehören (wie bei der Aufnahme Erwachsener) immer dazu.

Müssen Sie Ihr Kind privat krankenversichern?

Noch immer ist die Meinung weit verbreitet, dass das Kind bei jenem Ehepartner krankenversichert werden muss, welcher mehr verdient. Diese häufig geäußerte Ansicht ist jedoch nicht korrekt.
Die Grundlage zur Bewertung der Situation bildet das Sozialversicherungsrecht. Konkret geht es um die Familienversicherung (§ 10 SGB V). Ist ein Elternteil in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert, gilt es also zu prüfen, ob auch eine beitragsfreie Familienversicherung für das neugeborene Kind möglich ist.

Dies hängt von den Einkünften des privat versicherten Beamten ab. Liegen Ihre Einkünfte oberhalb der Versicherungspflichtgrenze (54.900 Euro in 2015/ 56.250 Euro in 2016), müssen Sie Ihr Kind privat krankenversichern. Alternativ wäre noch eine freiwillige Mitgliedschaft des Kindes in der GKV gegen den entsprechenden Beitrag möglich.

Liegen Ihre Einnahmen als Beamter jedoch unterhalb der Versicherungspflichtgrenze, haben Sie für Ihr Kind die freie Wahl zwischen der Absicherung in der PKV oder der kostenfreien Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse des Ehepartners.

Lediglich die hessische Beihilfe sieht hierzu eine Sonderregelung vor. Dort dürfen Kinder nur in der PKV versichert werden, wenn der Beamte oberhalb der Versicherungspflichtgrenze verdient. Hier nimmt Ihnen das Bundesland Hessen die Entscheidung ab, ob die gesetzliche oder private Krankenversicherung die bessere Alternative für Ihr Kind ist. Dies aber nur, solange Sie als Beamter unter der Versicherungspflichtgrenze liegen (GKV hat Vorrang vor der Beihilfe).

Kind besser gesetzlich oder privat krankenversichern?

Sofern Sie rechtlich gesehen die freie Wahl zwischen der PKV und der GKV für Ihr neugeborenes Kind haben, bietet die gesetzliche Krankenkasse vom finanziellen Standpunkt her natürlich die günstigere Alternative. Denn dort ist die Familienversicherung beitragsfrei, während die private Krankenversicherung einen monatlichen Beitrag für die Absicherung verlangt.

In der PKV profitiert Ihr Nachwuchs natürlich von allen Leistungsvorteilen einer privaten Krankheitskostenabsicherung. Mit Ausnahme der Bundesländer Hessen und Bremen liegt der Beihilfeanspruch für Kinder bei 80 Prozent. Je nach Absicherung, Beihilferichtlinien und Leistungswunsch für den stationären Bereich beläuft sich der Monatsbeitrag für die verbleibende Restkostenabsicherung von 20 Prozent im Marktdurchschnitt auf 30-40 Euro für ein neugeborenes Kind. In Hessen und Bremen ist der Beihilfeanspruch des Kindes mit dem des Beamten identisch. Der maximale Beihilfesatz für ein Kind liegt in diesen Bundesländern somit bei 70 Prozent. Entsprechend höher fallen demnach auch die monatlichen Kosten für die Krankenversicherung aus.

Bitte beachten Sie zudem, dass einige Krankenversicherungen Kinder ab einem bestimmten Alter mit höheren Beiträgen belasten (z.B. 14. und 21. Lebensjahr).

Vor der Entscheidung für die private oder gesetzliche Krankenkasse empfiehlt es sich unbedingt einen Blick in die Zukunft zu werfen. Verdienen Sie aktuell noch unter der Versicherungspflichtgrenze, was sich jedoch im Laufe der kommenden Jahre verändern kann, so macht es durchaus Sinn, das Kind sofort privat zu versichern. Mit dem Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze werden Sie zu diesem Schritt verpflichtet. In diesem Moment greift natürlich die Kindernachversicherung nicht mehr. Der Versicherungsschutz muss dann im Rahmen der vorvertraglichen Anzeigepflicht mit allen Gesundheitsangaben beantragt werden. Daher kann es durch „Vorerkrankungen“, angeratenen Untersuchungen oder Behandlungen, zu Risikozuschlägen und sogar zu einer Ablehnung kommen.

Innerhalb von 6 Monaten nach der verpflichtenden Mitversicherung des Kindes greift zwar die Öffnungsklausel für Beamte für Ihren Nachwuchs, sodass bei bestimmten Gesellschaften selbst bei einer eigentlichen Ablehnung des Versicherungsschutzes, der Annahme mit einem Risikozuschlag von bis zu 30 Prozent zugestimmt wird. Dennoch gibt es auch im Rahmen der Öffnungsklausel Leistungsnachteile, da nicht jeder Tarifbaustein gezeichnet werden kann (z.B. Beihilfeergänzungstarif). Zudem nehmen nicht alle Gesellschaften an der Öffnungsaktion für Beamte teil. Die Details dazu finden Sie im PDF-Dokument des PKV-Verbandes – zum Thema Öffnungsklausel für Beamtenanfänger.

Ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie Ihren Nachwuchs ab einem bestimmten Zeitpunkt (wie etwa aufgrund Ihrer gestiegenen Einnahmen) privat krankenversichern müssen, schafft Ihnen die Kindernachversicherung von Beginn an Sicherheit. Durch diese erhalten Sie, ohne jegliche Einschränkungen, den Versicherungsschutz ab der Geburt.

Verbleibt Ihr Kind zunächst in der gesetzlichen Krankenkasse, werden Sie regelmäßig einen Fragebogen erhalten. Auf dessen Grundlage prüft die GKV, ob Ihre Einnahmen unverändert geblieben und die Familienversicherung rechtlich gesehen weiterhin zugelassen werden kann.

Die Zukunft für Ihr Kind in der Krankenversicherung

Letztlich gilt es noch einen Blick in die Zukunft zu werfen. Auch für Ihren Nachwuchs gilt nicht der Grundsatz: „einmal privat, immer privat“.

Mit dem Eintritt in eine Berufsausbildung kann die PKV nicht länger aufrecht erhalten werden. Dann tritt die Pflichtversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse ein. Dies gilt ebenfalls bei der Aufnahme eines Studiums. In diesem Moment kann jedoch eine Befreiung von der Versicherungspflicht in der GKV beantragt werden, um die private Krankenversicherung weiterzuführen.
Spätestens mit dem Ende des Kindergeldbezuges (max. bis zum 25. Lebensjahr Ihres Kindes) entfällt allerdings der Beihilfeanspruch. Daraufhin bieten etliche Privatversicherer aber Tarife für Studenten als Alternative an.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Entscheidung – des Pro oder Kontra einer privaten Absicherung des Kindes – zunächst anhand der rechtlichen Grundlagen geprüft werden muss. Besteht daraufhin die freie Wahl, gilt im Vorfeld der Entscheidung, die individuelle Situation nach den besten Angebotslösungen zu beurteilen.

Kindernachversicherung in der privaten Krankenversicherung
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