Einmal privat, immer privat ?

Diese These ist oftmals zu lesen und zu hören. Nun stellt sich natürlich die Frage:
„Einmal privat, immer privat – ist diese Aussage richtig?“

Kurz beantwortet: „Je nach individueller Situation kann dieses Statement korrekt sein oder auch nicht.“
Da die Fragestellung kein klares Ja oder Nein erlaubt, gehe ich in diesem Artikel näher auf die möglichen Konstellationen ein.

Beispiel: Beamte und der Wechsel

Sind Sie beispielsweise seit 15 Jahren als Beamter in Ihrer privaten Krankenversicherung und möchten zurück in die gesetzliche Krankenkasse wechseln – ohne dass sich Ihre berufliche Situation verändert hat – so ist dies nicht möglich.
Allerdings macht ein solcher Wechsel in der Regel auch wenig Sinn, denn als Beamter zahlen Sie in der GKV immer den vollen Krankenkassenbeitrag. Den Anspruch auf die gesetzliche Beihilfe erhalten Sie nur in Verbindung mit einer privaten Krankenversicherung.
Geben Sie allerdings Ihren Beamtenstatus auf und wechseln in ein Angestelltenverhältnis mit einem Bruttogehalt unterhalb der Versicherungspflichtgrenze (54.900 Euro in 2015, 56.250 Euro in 2016), werden Sie dadurch in der gesetzlichen Krankenkasse versicherungspflichtig und müssen dementsprechend in eine GKV wechseln (§ 5 SGB V – Versicherungspflicht).
Liegt Ihr Bruttogehalt als Angestellter jedoch oberhalb der Versicherungspflichtgrenze, ist ein Wechsel in die gesetzliche Krankenkasse nicht möglich. Natürlich entfällt in solch einem Fall die Beihilfeberechtigung, sodass Sie in einen Tarif für Angestellte in der privaten Krankenversicherung wechseln müssen. Dies gilt ebenso (unabhängig vom Einkommen), wenn Sie sich selbständig machen oder freiberuflich tätig werden, denn auch dann ist keine Rückkehr in die GKV möglich.

Beispiel: Der Wechsel von Referendaren und Anwärtern

Besonders interessant ist diese Frage für Beamtenanwärter und Referendare.
Nicht immer erfolgt unmittelbar nach der Anwärterzeit eine sofortige Verbeamtung auf Probe. Gerade bei Lehrern kann es nach dem Referendariat zu einer kurzfristigen Arbeitslosigkeit kommen (zum Beispiel bedingt durch die Ferienzeit). Oder aber es erfolgt zunächst ein Beschäftigungsverhältnis im öffentlichen Dienst.
In letzterem Fall tritt wieder die Versicherungspflicht (§ 5 SGB V) in der gesetzlichen Krankenkasse ein. Die Rückkehr in eine GKV ist für den Referendar somit verpflichtend.
In dieser Situation ist es sehr empfehlenswert eine Anwartschaftsversicherung einzurichten. Durch diese wird der bereits festgestellte Gesundheitszustand „eingefroren“ und bei Wiedereintritt in die PKV erneut aktiviert. So können Sie bei einer späteren Verbeamtung auf Probe wieder in den beihilfekonformen Tarif Ihrer Privaten Krankenversicherung einsteigen – und dies ohne erneute Gesundheitsprüfung.
Während einer Arbeitslosigkeit hängt die Absicherung für diesen Zeitraum von der persönlichen Situation ab. Sofern der Ehepartner gesetzlich Krankenversichert ist, kann eine kostenfreie Familienversicherung in der GKV beantragt werden (§ 10 SGB V).
Ist eine Familienversicherung nicht zulässig, gilt es festzustellen, ob ein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht (ALG I). Ist dieser gegeben, tritt auch hier die Versicherungspflicht und die damit verbundene Rückkehr in die GKV ein (§ 5 SGB Buch V Absatz 1.2.).
Aufgrund der zu erfüllenden Zeiten zum Bezug von ALG I, besteht jedoch nur in äußerst seltenen Fällen ein solcher Anspruch.
Grenzen für einen Wechsel

In allen anderen Sachlagen ist bei einer Arbeitslosigkeit die Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse ausgeschlossen. Diese Situation trifft häufig auf Lehramtsanwärter zu, die Ihr Referendariat abgeschlossen haben. Da Anwärter häufig ledig sind und zeitnah nach dem Studium ins Referendariat eingestiegen sind, kann keine Familienversicherung begründet werden. Weiterhin liegen meist keine sozialversicherungsrechtlichen Zeiten vor, die einen Anspruch auf Arbeitslosengeld ermöglichen. Somit muss die PKV nach der Referendariatszeit weitergeführt werden.

Übergangstarife als Möglichkeit

Durch den Wegfall der Beihilfe ist dies jedoch nur mit einer 100-prozenzigen Abdeckung möglich. Zahlreiche private Krankenversicherungsgesellschaften bieten speziell für diese Situation günstige „Übergangstarife“ an. Der zu entrichtende Beitrag ist hier vom ursprünglichen Einstiegsalter abhängig und liegt im Schnitt zwischen 100-150 Euro (inkl. der Pflegeversicherung). Dieser Beitrag ist sogar günstiger als eine freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse (die in einem solchen Fall nicht möglich ist). Im Vergleich gesehen würde eine solche 163,20 Euro im Monat kosten (hier wird als Bemessungsgrundlage das „fiktive Mindesteinkommen“ von 945,00 Euro herangezogen). Durch zuvor vereinbarte Risikozuschläge (aufgrund von „Vorerkrankungen“) kann der Beitrag des „Übergangstarifes“ bei der PKV natürlich auch höher ausfallen.
Es ist sehr wichtig zu wissen, dass nicht alle privaten Krankenversicherungen einen solchen Übergangstarif anbieten. Um böse Überraschungen nach dem Referendariat zu vermeiden, sollte also schon bei der Wahl einer PKV für Beamtenanwärter abgeklärt werden, ob die gewünschte Gesellschaft eine entsprechende Lösung bei einer späteren Arbeitslosigkeit offeriert. Ansonsten bleibt nur ein deutlich teurerer und oftmals mit Selbstbeteiligungen verbundener PKV-Tarif für Angestellte und Selbständige.
Doch auch bei den Übergangstarifen gibt es beachtenswerte Besonderheiten. Gemäß den Versicherungsbedingungen enden diese in der Regel spätestens nach 18. Monaten bzw. mit dem Erreichen des 34. Lebensjahres.

Zuschüsse für Arbeitslose zur privaten Krankenversicherung

Für den privaten Krankenversicherungsschutz während der Arbeitslosigkeit kann eine Bezuschussung beim Jobcenter beantragt werden. Die Grundlagen dafür finden Sie im Versicherungsaufsichtsgesetz (§12 Abschnitt 1c). Auch wenn nach dem Referendariat und während der Zeit ohne Anstellung kein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht, kann es daher Sinn machen, sich beim Jobcenter arbeitslos zu melden.

Kommt es nach der Ferienzeit des Referendars zu einer Festanstellung im öffentlichen Dienst, muss eine gesetzliche Krankenkasse gewählt werden (soweit das Einkommen unterhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt). Erfolgt hingegen die Ernennung zum Beamten auf Probe, resultiert daraus die erneute Beihilfeberechtigung – und somit das Recht auf eine private Krankenversicherung für Beamte.
Diesen Ausführungen können Sie entnehmen, dass die weitverbreitete These „einmal privat, immer privat“ keinesfalls grundsätzlich zutrifft, sondern die jeweilige Situation immer ganz individuell betrachtet werden muss – und sollte.

Einmal privat, immer privat ?
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