Wie reagieren Sie als Beamter am besten auf
Beitragssteigerungen Ihrer privaten
Krankenversicherung?

Auch in diesem Jahr werden wieder einige private Krankenversicherungen Ihre Beiträge erhöhen. Andere Gesellschaften haben Ihre Beitragssteigerungen bereits zum Jahresbeginn oder zum 01.04.2017 vorgenommen.

Aus diesem Grund ist es mir wichtig, diese Thematik heute für Sie zu durchleuchten. Natürlich ist eine Beitragserhöhung immer für alle Seiten ein unangenehmes Thema,  dennoch sind Anpassungen bei den privaten Krankenversicherungen unvermeidbar, damit Sie auch zukünftig vom medizinischen Fortschritt profitieren können.

Auf welchen Grundlagen die privaten Krankenversicherungsgesellschaften Beitragsanpassungen durchführen dürfen, wieso es überhaupt zu solchen Anpassungen kommt und wie Sie als Kunde damit am besten umgehen, möchte ich Ihnen heute erläutern.

Für Sie ist es zunächst wichtig zu wissen, dass Beitragsanpassungen von den privaten Krankenversicherungen nicht willkürlich vorgenommen werden dürfen. Diese unterliegen klaren gesetzlichen Grundlagen.

Doch Beitragssteigerungen sind keinesfalls nur eine Problematik der PKV. Lassen Sie uns zunächst einen Blick auf die Entwicklung der Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen im Höchstsatz der letzten Jahre werfen. Diese betrifft z.B. einen Beamten aus NRW in der Besoldungsgruppe A13, Stufe 7:

Im Jahr 2018 wird der GKV-Beitrag des Beamten bei voraussichtlich 792,07 Euro monatlich liegen (Grundlage ist dabei die voraussichtliche Beitragsbemessungsgrenze 2018 von 4.425 Euro x 14,6 Prozent Krankenkassenbeitrag – 0,6 Prozent Beitrag für das Krankentagegeld + 1,1 Prozent durchschnittlicher Zusatzbeitrag + 2,8 Prozent Pflegepflichtbeitrag für Kinderlose).

In 2017 beläuft sich der GKV-Beitrag für den Beamten auf 778,65 Euro im Monat.

  • 2015 waren es 730,13 Euro.
  • 2013 677,25 Euro
  • 2008 585 Euro
  • Und wenn wir ins Jahr 2004 zurückgehen lag der gesetzliche Beitrag bei lediglich 533 Euro

Somit stieg der monatliche GKV-Beitrag für unseren Beamten aus Nordrhein-Westfalen um insgesamt ca. 245 Euro monatlich in den letzten 13 Jahren. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Beitragsanpassung der GKV von rund 3,55 Prozent. Der Beamte erhielt jedoch nicht mehr Leistungen aus der gesetzlichen Kasse, im Gegenteil, oft wurden noch Leistungen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen gestrichen.

Ziehen wir den Vergleichswert der durchschnittlichen Beitragsanpassungen im identischen Zeitraum in den Beihilfetarifen der privaten Krankenversicherungsgesellschaften heran, so lag dieser Wert bei durchschnittlich 2,7 Prozent (2004-2017 – Quelle: Assekurata). Damit liegen die Beamtentarife übrigens auch deutlich unter den Anpassungsraten der PKV-Tarife für Angestellte und Selbständige. Diese stiegen in den letzten 13 Jahren um durchschnittlich 4,6 Prozent pro Jahr (Quelle: Assekurata).

Wie kommt es zu den Beitragsanpassungen bei den privaten Krankenversicherungen?

Die Beitragskalkulation und das Verfahren zur Beitragsanpassung sind gesetzlich geregelt. Hierfür schreibt der Gesetzgeber eine jährliche Überprüfung der Beiträge vor.

Steigende Heilbehandlungskosten, neue innovative Medikamente und die häufigere Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, können zu Veränderungen der Leistungsausgaben des Versicherers führen. Daher erfolgt einmal im Jahr der vorgeschriebene Abgleich zwischen den tatsächlichen Leistungsausgaben und den Beitragseinnahmen pro Tarif.

Kommt es hierbei zu Abweichungen von mehr als 10 Prozent zwischen den kalkulierten und den tatsächlichen Leistungsausgaben, greift die gesetzlich vorgeschriebene Prüfung der Tarifbeiträge. Diese Prüfung erfolgt durch einen unabhängigen, versicherungsmathematischen Treuhändler. Zugleich wird die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht informiert.

Zusätzlich kann auch eine veränderte Sterbewahrscheinlichkeit eine Beitragsanpassung auslösen, verursacht durch eine steigende Lebenserwartung.

Die Gründe für steigende Beiträge

Der medizinische Fortschritt spielt eine sehr große Rolle. Die Preissteigerungen im Gesundheitswesen liegen mit jährlich ca. 4,5 Prozent regelmäßig oberhalb der Inflation.

Neue Diagnoseverfahren, moderne Medikamente und innovative Behandlungsmethoden sind Ihnen als Privatpatient garantiert. Darunter fällt auch die sog. Gendiagnostik – diese ermöglicht es auf personalisierte Arzneimittel zurückzugreifen, die beispielsweise bei Krebstherapien und Mukoviszidose bessere Behandlungsergebnisse erzielen.

Focus Online schreibt beispielsweise:
„Zwar erkranken immer mehr Menschen in Deutschland an Krebs. Aber ihre Heilungschancen stehen besser als vor 10 Jahren“

Die Süddeutsche Zeitung wird noch konkreter:
„Krebsmedikamente werden immer teurer, pro Jahr und pro Patient kosten die Therapien bis zu 100.000 Euro.“

Beispiel: Antikörper gegen Lungenkrebs

Bei Lungenkrebs ist entscheidend, dass er früh erkannt und dann schnell operiert wird. Denn im Frühstadium ist Lungenkrebs durch einen chirurgischen Eingriff heilbar, danach kann der Tumor meist nicht mehr entfernt werden. Viele Patienten durchlaufen dann kräftezehrende Chemotherapien. Neue Hoffnung bringt nun die Antikörpertherapie. Mithilfe dieser Wirkstoffe wird die körpereigene Abwehr beim Kampf gegen den Krebs gestärkt. Die Patienten erhalten so eine zusätzliche Behandlungsoption. Und dies ist nur ein Beispiel von vielen im medizinischen Fortschritt.

Der Rechnungszins stellt einen weiteren Faktor für Beitragssteigerungen dar. In den Niedrigzinsphasen ist es für die privaten Krankenversicherungsgesellschaften schwieriger eine ausreichende Verzinsung für die Altersrückstellungen zu erwirtschaften. Dadurch kann es zur Absenkung des Rechnungszinses in der Tarifkalkulation kommen. Dennoch sind die Krankenversicherungsgesellschaften gezwungen die Altersrückstellungen auch zukünftig in der erforderlichen Höhe aufzubauen. Um fehlende Zinserträge auszugleichen, muss in diesem Fall eine Erhöhung des Sparanteils erfolgen.

Es gibt natürlich noch weitere Punkte, die eine Beitragserhöhung zur Folge haben können. Die oben genannten Faktoren spielen in diesem Zusammenhang jedoch eine maßgebliche Rolle.

Fazit: Bei jeder privaten Krankenversicherung sind Beitragsanpassungen unvermeidbar, aber entscheidend ist,

  • dass diese langfristig betrachtet nicht deutlich über dem Marktdurchschnitt liegen (Grundlage z.B. 10-15 Jahre).

Genau aus diesem Grund ist es empfehlenswert im Zuge einer Beitragsanpassung zunächst ruhig und besonnen zu reagieren und nicht aus der Verärgerung heraus einen Fehler zu begehen, der Ihnen vielleicht in der Zukunft teuer zu stehen kommt.

Hier gilt es zu sondieren, welche Möglichkeiten sich individuell für Sie bieten unter Beachtung folgender Faktoren:

  • Alter
  • Gesundheitszustand / neue Gesundheitsprüfung
  • Mitnahme oder Verbleib der Alterungsrückstellungen
  • Leistungen der Tarifmöglichkeiten beim bisherigen oder neuen Versicherungsunternehmen
  • Finanzstärke der Unternehmen
  • Beitragsrückerstattungen

Grundsätzlich gilt es vor einem Wechsel zu einer anderen Krankenversicherungsgesellschaft also unbedingt folgendes zu beachten:
Neben einem neuen Einstiegsalter und der erneuten Bewertung Ihres Gesundheitszustandes, verbleibt ein Teil Ihrer schon gebildeten Alterungsrückstellungen im Versichertenkollektiv, da der Gesetzgeber nur die Mitnahme der Alterungsrückstellungen auf Höhe des Basiswertes per Gesetz geregelt hat.

Ein ständiges Wechseln führt somit dazu, dass Sie fürs Alter nicht mehr genug Rückstellungen bilden und Ihr Beitrag im Alter massiv ansteigt.

Kommen Sie auf uns zu. Wir bewerten Ihre Beitragsanpassung und beraten Sie fachlich & kompetent in Bezug auf Ihre persönlichen Bedürfnisse (Telefon 0541-4490060). Zudem erstellen wir Ihnen gerne einen unabhängigen Krankenversicherungsvergleich für Beamte.

Wie reagieren Sie als Beamter am besten auf
Beitragssteigerungen Ihrer privaten
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